Freie Fahrt durch die Werner-von-Siemens-Straße!

Die Werner-von-Siemens-Straße in der Universitätsstadt Ilmenau, die das gleichnamige Gewerbe­gebiet („Werner-von-Siemens-Straße Ilmenau“) oberhalb der Universität durchzieht, war 2011 zur Anlieger-Straße umge­wid­met worden. Damit war sie für den Durchgangsverkehr motorisierter Nicht-Anlieger gesperrt. Dagegen gab es heftige Proteste, auch von Anliegern. Als die Zahl der Verkehrskontrollen massiv zunahm, sahen wir uns veranlasst, in diesem Blog einige „Fingerzeige“ gegen staatliche „Wege­lagerei“ zu formulieren (Beitrag vom 6. Januar 2013). Letzte Woche wurden zur Über- raschung vieler die Durchfahrtsverbotsschilder demontiert. Jetzt gilt es für die Nutzer allerdings, die noch fortbeste­henden Restriktionen, vor allem die Geschwindig­keits­be­schrän­kung, im Auge zu behalten.

Verkehrsführung mit Schikanecharakter

Die Werner-von-Siemens-Straße sollte ursprünglich eine rasche Verbindung zwischen der Universität und den „Überlandstraßen“ im Umfeld der Stadt, insbe­son­dere der A 71, schaffen. Nach und nach aber wurde ihre Befahrbarkeit einge­schränkt. Am Anfang stand die Ein­rich­tung einer Tempo-30-Zone für den gesamten Straßenzug, ihr folgte ein Fahr­streifen für Radfahrer und die Schaffung zahlreicher Parkplätze am Straßenrand. Am Schluss wurde die Straße mit einem Durchfahrtsverbot versehen und – wie das Zusatzschild „Frei für Anlieger“ auswies – die Nutzungsberechtigung auf die Anlieger beschränkt.

Die Maßnahme kam überraschend und sie war kaum nachvollziehbar. Wieso sollte eine durch ein Gewerbegebiet führende Straße, der ursprünglich Entlastungs­charak- ter zukommen sollte, dem Verkehr weitgehend wieder entzogen werden? Dennoch wurden der Folgezeit zahlreiche Nutzer, in erster Linie Angehörige der Universität, mit Verwar­nungs- und Bußgeldern überzogen.

 Tempo-30-Zone bleibt bestehen

Zu Beginn der letzten Woche sind die 2011 installierten Verbotsschilder bei der Einfahrt in die Stadt und im Schnittbereich Helmholtzring / Werner-von-Siemens-Straße ersatz- los ent­fernt worden. Die Straße kann damit in voller Länge auch vom Durchgangs- verkehr wieder genutzt werden. Für die lange Zeit ausgesperrten Nutzer, insbesondere diejenigen, die ein Opfer verkehrsordnungsrechtlicher Sanktionen wurden, stellt sich die Frage: Warum nicht gleich so?

Wie eine merklich höhere Nutzerfrequenz im Verlauf der letzten Woche bereits erken­nen lässt, kann es als sicher gelten, dass die Straße künftig weit häufiger befahren werden wird. Dabei müssen sich die Nutzer der Straße, insbesondere deren Erst- nutzer, darüber bewusst sein, dass die Geschwin­dig­keits­be­schrän­kung auf Tempo 30 im gesamten Streckenbereich beibe­hal­ten wurde – eine Regelung, die für eine Gewer- bestraße alles andere als selbstverständlich ist.

Der verstärkte Verkehr wird die Ordnungsbehörden erneut auf den Plan rufen. Hinzu- kommt, dass die Straßenführung reichlich Gelegenheit zur Geschwindigkeitsüberwa- chung bietet.  Es muss daher damit gerechnet werden, dass anstelle der Anlieger-Kontrollen der Vergangenheit künftig verstärkt Geschwindgkeitskontrollen durchgeführt werden und dabei vor allem mobile Messgeräte zum Einsatz kommen.

Kurzum: Ganz so „frei“ wird deshalb wohl auch künftig die Fahrt durch die Werner-von Siemens-Straße nicht sein.